„Made in Germany“ gilt für viele nach wie vor als echtes Qualitätsmerkmal, besonders im Bereich Technik. Aber trifft das auch bei Saugrobotern zu?
Saugroboter | Ist „Made in Germany“ möglich?
Ein kurzer Blick auf den Markt zeigt schnell: Asiatische Hersteller dominieren das Geschehen. Marken wie Roborock, Ecovacs oder Dreame gehören längst zu den Top-Playern im Hinblick auf Innovation und Preis-Leistungs-Verhältnis. Doch wie sieht es mit deutschen Unternehmen aus? Können sie da überhaupt noch mithalten? Viele bekannte Technikmarken tragen ein deutsches Label, wurden hier gegründet oder haben ihren Hauptsitz weiterhin in Deutschland, aber das heißt noch lange nicht, dass auch die Produktion hierzulande stattfindet. Im Gegenteil: Die meisten Hersteller verlagern ihre Produktion, vorrangig in den asiatischen Raum, genauer gesagt: nach China.
Warum überhaupt „Made in Germany“?
Ein Produkt, das in Deutschland hergestellt wurde, steht für viele nicht nur für Qualität, sondern auch für faire Arbeitsbedingungen, nachhaltigere Lieferketten und kurze Transportwege. Das schont die Umwelt und stärkt gleichzeitig die heimische Wirtschaft. Klingt super, aber wie viel „Made in Germany“ steckt wirklich in einem deutschen Saugroboter? Während meiner Recherche ist mir aufgefallen: Kaum ein deutsches Unternehmen produziert seine Geräte komplett in Deutschland. Mindestens ein Produktionsstandort im Ausland ist eigentlich immer dabei, oft sogar der wichtigste. Damit du dir selbst ein Bild machen kannst, hier mal ein Überblick:
Wo produzieren deutsche Marken ihre Saugroboter?
Miele
Miele setzt auf eine Mischung aus Regionalität und Effizienz. Der Hauptstandort für die Produktion von Saugrobotern und anderen Haushaltsgeräten ist Bielefeld. Zusätzlich gibt es weitere Werke innerhalb Europas. Einzig in Dongguan (China) wird ebenfalls produziert, allerdings nur bestimmte Staubsaugermodelle (Swing H1, Compact C1 & C2 sowie Complete C2). Selbst die Motoren stammen in diesen Fällen noch aus einem deutschen Werk.
Fazit: Miele ist von allen Marken wohl noch am ehesten ein Beispiel für Transparenz und Nähe.
Vorwerk
Vorwerk entwickelt und entwirft seine Geräte am Hauptsitz in Wuppertal. Die Produktion erfolgt jedoch international, hauptsächlich in Deutschland, Frankreich und China. Auch der aktuelle Saugroboter VR7 wird nicht ausschließlich in Deutschland gefertigt.
Fazit: Entwicklung „Made in Germany“, die Fertigung aber global verteilt.
Bosch
Bosch produziert weltweit: Neben Standorten in Deutschland gibt es Werke in den USA, Österreich, England, Frankreich, der Schweiz, Mexiko und auch China. Die Saugroboter stammen somit aus einem internationalen Netzwerk.
Fazit: Viel Globalisierung, wenig Regionalität.
AEG (Electrolux-Gruppe)
AEG gehört heute zur schwedischen Electrolux-Gruppe. Die Saugroboter von AEG werden hauptsächlich in China produziert.
Fazit: Deutscher Markenname, aber keine deutsche Produktion.
Medion
Medion ist ein in Deutschland ansässiges Unternehmen und unterhält tatsächlich auch drei Werke in Deutschland. Allerdings produziert auch Medion in Teilen Europas, Hongkong und Australien. Hierbei wichtig zu beachten ist, dass 2011 Lenovo das Unternehmen aufgekauft hat.
Fazit: Im Vergleich recht breit aufgestellt, aber bei Saugrobotern ebenfalls international unterwegs.
Kärcher
Kärcher betreibt mehrere Produktionsstätten in Deutschland, darunter in Bühlertal, Obersontheim, Illingen und am Hauptsitz in Winnenden. Gerade das Werk in Bühlertal ist für die Home-&-Garden-Produkte zuständig, also auch für Geräte, die an Endkunden verkauft werden. Allerdings fertigt Kärcher längst nicht alles ausschließlich in Deutschland. Zum globalen Produktionsnetzwerk gehören unter anderem Standorte in Rumänien, Italien, Brasilien, Mexiko, China und den USA. Ein Teil der Fertigung – gerade bei Serienprodukten oder Einzelkomponenten – erfolgt also auch außerhalb Europas.
Fazit: Kärcher kombiniert deutsche Entwicklung mit internationaler Fertigung.
Und jetzt mal ehrlich: Wie viel „Made in Germany“ steckt da wirklich drin?
Fakt ist: Fast alle Unternehmen setzen auf internationale Fertigung, besonders im Bereich der Saugroboter. Wer wirklich ein Gerät will, das zumindest weitgehend in Europa gefertigt wird, ist bei Miele am besten aufgehoben. Dort lassen sich die Produktionsstätten transparent nachvollziehen und es wird größtenteils im europäischen Raum produziert. Ein spannender Punkt, den viele nicht wissen: Das Label „Made in Germany“ ist nicht geschützt und kann von den Herstellern frei vergeben werden, solange ein „wesentlicher Teil“ der Wertschöpfung in Deutschland erfolgt. Was das genau bedeutet, lässt viel Spielraum. Eine unabhängige Institution, die das überprüft, gibt es nicht. Zudem zeigen aktuelle Studien, dass das Label für viele Verbraucher an Bedeutung verliert. Der Fokus liegt heute häufig stärker auf Leistung, Preis und Features als auf dem Herkunftsland, gerade bei Technikprodukten. Trotzdem: Für manche ist Herkunft nach wie vor ein Kriterium beim Kauf, ob aus Überzeugung oder Umweltbewusstsein.
Fazit
„Made in Germany“ klingt gut, ist aber beim Thema Saugroboter eher selten Realität. Wer großen Wert auf Regionalität und transparente Lieferketten legt, sollte genau hinschauen. Vollständig deutsche Produkte? Aktuell kaum zu finden. Miele ist hier eine der wenigen Ausnahmen, die zumindest überwiegend in Europa produzieren und das nachvollziehbar und offen.
Und jetzt interessiert mich eure Meinung: Achtet ihr beim Kauf eurer Technikprodukte auf das Herkunftsland? Und wenn ja, woher soll’s am liebsten kommen?
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Danke für den Artikel! Mich interessiert, woher Technikprodukte kommen. Insbesondere stört mich das starke Monopol, das inzwischen Produkte aus China allgemein haben. Ich würde gern Produkte „Made in Germany“ oder aus der EU kaufen. Es würde mich aber auch interessieren, ob es – insbesondere bei Technikprodukten – Alternativen aus anderen ostasiatischen Ländern gibt (Japan, Südkorea, Taiwan …)? Danke auch für den Hinweis, dass das Label „Made in …“ nicht geschützt ist.
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