Interview mit dem CEO von EnOcean Andreas Schneider

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EnOcean ist der Pionier für Energy Harvesting, der Energiegewinnung aus der unmittelbaren Umgebung (Bewegung, Licht und Temperatur). Im Interview mit Andreas Schneider, CEO von EnOcean, haben wir über die Vorteile dieser ressourcenschonenden Technologie und ein neues Produkthighlight gesprochen.

Andreas Schneider, CEO von EnOcean

SmarthomeAssistent: EnOcean ist uns bekannt als Funkstandard für Smart-Home-Lösungen. Im Philips Hue-Schalter beispielsweise, der mit Zigbee funkt, steck allerdings auch EnOcean drin. Was hat es damit auf sich?


Andreas Schneider:
  Grundsätzlich unterscheiden wir bei EnOcean zwischen dem Technologielieferanten EnOcean und dem gleichnamigen Funkstandard für die Gebäudeautomation. Die Firma EnOcean gibt es seit knapp 20 Jahren, wir stehen für Energy Harvesting, der Energiegewinnung aus Bewegung, Licht oder Temperaturunterschieden. Das heißt unsere Produkte kommen komplett ohne Verkabelungen und Batterien aus. Unsere Schalter und Sensoren bekommen genügend Energie aus ihrer unmittelbaren Umgebung.

Beim kinetischen Schalter ist es der Tastendruck, der genügend Energie zum Senden eines Funksignals freisetzt, die Sensoren sind solarbetrieben. Im Philips Hue-Schalter ist beispielsweise unser PTM Schaltermodul verbaut. Wir bei EnOcean sind der Überzeugung, dass wir einen Ozean voller ungenutzter Energie haben, die wir ressourcenschonend für eine Vielzahl an Anwendungen einsetzen können.

Zusammen mit Partnern in der EnOcean Alliance haben wir einen Funkstandard entwickelt, der optimal auf professionelle Gebäude zugeschnitten ist, ob Smart Homes, Büro- und Industriegebäude, Krankenhäuser, etc. Unsere Kunden und Endanwender sprachen früh vom „EnOcean-Funk”, deshalb trägt dieser Funkstandard den gleichen Namen wie das Unternehmen. Unsere Produkte funken aber nicht nur EnOcean, als Technologielieferant sind wir auch Zulieferer für batterielose Produkte, die über Bluetooth und Zigbee kommunizieren.

SmarthomeAssistent: Was steckt hinter der EnOcean-Technologie?

Andreas Schneider: Kurz gesagt: die Kombination aus Energiewandlern, die die Umweltenergie wie zum Beispiel Licht, Bewegung oder thermische Energie anzapfen, extremst energiesparenden Elektronikkomponenten und eine Intelligenz, diese Energie sinnvoll zu nutzen. Wir stellen unseren Kunden diese Technologie bereit, diese entwickeln daraus batterielose Schalter, Sensoren und Steuerungskomponenten für die Gebäude- und auch Industrieautomation. Wenn Sie mit einem neuen Londoner Bus fahren und die Haltestellen Stopp-Taste drücken, betätigen Sie einen EnOcean-Energiewandler!

SmarthomeAssistent: Welche Anwendungen für das Smart Home kann ich mit EnOcean-Produkten realisieren?

Andreas Schneider: Die Grundanwendungen für unsere Technologie sind professionelle Licht-, Heizungs- und Lüftungssteuerung. Darüber hinaus sind aber auch zusätzliche Dienste denkbar wie z.B. Ambient Assisted Living, Energiespardienste, Sicherheitsanwendungen, Leckageerkennung bei Flüssigkeiten, Messung von Luftqualität oder der Einsatz in Rauchmeldern. Das alles sorgt dafür, dass Bewohner möglichst lang und gesund in ihren eigenen vier Wänden leben können.

SmarthomeAssistent: Neben dem PTM Schaltermodul hat EnOcean auch eine Vielzahl an Sensoren für die Gebäudeautomation und das Internet der Dinge im Portfolio. Ein Multisensor ist der neueste Zuwachs. Was macht diesen Sensor so besonders?

 

Andreas Schneider: Unsere batterielose Technologie steckt als Kernkomponente in ganz vielen Sensoren, die unsere Kunden realisieren. Das Besondere am solar versorgten Multisensormodul ist, dass es einen Temperatur-, Feuchte-, Licht- und Beschleunigungssensor sowie einen Magnetkontakt – also fünf Sensoren in einem – vereint. Damit öffnen sich ganz neue Anwendungsmöglichkeiten für das Internet der Dinge, da für verschiedenste Anwendungen nur noch ein Sensor nötig ist. Zudem entspricht das Gehäuse dem PTM Formfaktor unseres Schaltermoduls, den wir erfunden haben und der sich im Markt bereits als Standard etabliert hat.

Für den Multisensor bedeutet das, dass er sich einfach in gängige Schalterdesigns integrieren lässt. Für unsere Kunden ist das eine sehr effiziente Lösung, da sie keine neuen Rahmendesigns entwickeln und produzieren müssen. Wir sind davon überzeugt, dass genau diese Kombination aus Sensoren und Formfaktor gut im Markt ankommt. Eltako, einer unserer Partner, hat den Multisensor bereits in sein Portfolio aufgenommen.

EnOcean STM 550

SmarthomeAssistent: Was war der Beweggrund, solch einen Sensor zu entwickeln?

Andreas Schneider: Wir sind stetig im Austausch mit Systemintegratoren und Dienstanbietern, die innovative Services für Gewerbegebäude und Smart Homes anbieten. Für diese Anwendungen im Internet der Dinge braucht es Rohdaten und Informationen von Devices, die fest im Haus verbaut sind. Da reichen keine Smartphones, es braucht Sensoren, die genau messen können, wie Geräte, wie ein Raum genutzt werden.

Unser Multisensor verfügt über fast alle Sensoren, die diese Grundinformationen erfassen. Wichtig zu erwähnen ist auch, dass sich der Sensor einfach und flexibel im Raum und an Gegenständen montieren lässt, da wir ja nicht auf Kabelführungen und Batteriewechsel angewiesen sind. Mit der integrierten Near Field Communication (NFC)-Schnittstelle ist auch die Konfiguration und Inbetriebnahme schnell und einfach erledigt.

SmarthomeAssistent: Welche typischen Anwendungsfälle für den Endanwender gibt es für den Multisensor im Bereich Smart Home?

Andreas Schneider: Der Multisensor lässt sich über Lösungen für das Smart Home mit vielen anderen Systemen verknüpfen. Natürlich lassen sich mit ihm die klassischen Gewerke wie Lüftung, Licht und Heizung monitoren und optimieren. Das macht das Smart Home nicht nur intelligent, sondern auch energieeffizient. Aber das ist noch nicht alles: Bei EnOcean haben wir Multisensoren an Handtuch- und Seifenspendern montiert, an Kaffeemaschinen, an Fensterrahmen, an Tischen und Stühlen. Sämtliche gesammelten Rohdaten werden im System bei uns weiterverarbeitet. So erkennen wir beispielsweise, wann die Kaffeebohnen, Seife oder Handtücher wieder aufgefüllt werden müssen oder welcher Arbeitsplatz gerade belegt ist.

Solche Systeme sind üblicherweise mit Alexa und Co. verknüpfbar. Den Anwendungsmöglichkeiten sind praktisch keine Grenzen gesetzt. So kann man den Multisensor auch im eigenen Gewächshaus anbringen zum Monitoren von Temperatur und Feuchtigkeit. Oder ich klebe den Sensor an mein Klavier und sammle hier Informationen über Temperatur und Feuchte oder aber auch über die Nutzung. Wir sind gespannt, welche spannenden Apps sich App-Entwickler ausdenken, um das volle Potenzial des Multisensors auszuschöpfen.

 

SmarthomeAssistent: Wie kann ich den Multisensor in mein bestehendes Smart-Home-System integrieren?

Andreas Schneider: Der Multisensor unterstützt unter anderem den EnOcean Funkstandard. Diesen gibt es in drei unterschiedlichen Frequenzen: 868 MHz für Europa, 902 MHz für Nordamerika und 928 MHz für Japan. Aufgrund der Interoperabilität der verschiedenen Systeme kann der Sensor in alle Smart-Home-Systeme, die den EnOcean Funk unterstützen, eingelernt werden. Wir haben darüber hinaus aber auch eine Bluetooth-Variante auf den Markt gebracht. Welche Daten der Sensor sammelt, wie oft das Funksignal gesendet wird und noch weitere Einstellungen lassen sich schnell und einfach über die integrierte NFC-Schnittstelle vornehmen. Das geht am besten mit der Inbetriebnahme-App EnOcean Tool.

SmarthomeAssistent: Wo kann ich den Multisensor kaufen?

Andreas Schneider: Als Technologieanbieter arbeiten wir eng mit Endproduktherstellern zusammen, die unsere Komponenten einsetzen. Daher kann man EnOcean-basierte Endprodukte auch nicht direkt bei uns erwerben. Erste Anbieter, die den Multisensor bereits im Portfolio haben, sind Eltako und Kopp. Beide Firmen vertreiben den Sensor und weitere Produkte mit EnOcean-Technologie über die üblichen Handelskanäle.

SmarthomeAssistent: Vielen Dank für das Gespräch!

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Über den Autor

Florian Beckmann

Dem Thema Smart-Home seit der Einführung von Alexa, Ende 2016, verfallen. Seit dem wird darüber gebloggt, YouTube Videos gedreht und die eigene Wohnung automatisiert, wo es nur geht. 37 Jahre alt, Vater von zwei Kindern, wohnhaft in Hamburg und hauptberuflich Berufssoldat.

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